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Kein Zufall Mitte Januar: Der Leiter des Berliner Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, informiert rund 500 Schüler der "potenziell betroffenen" Abiturjahrgänge 1975 bis 1983 per Brief über mögliche Missbrauchsfälle an der renommierten Jesuitenschule. Er entschuldigt sich für "ein Wegschauen" im Lehrerkollegium und im Orden und ruft Betroffene auf, sich zu melden.
29. Januar: Mertes räumt auf einer Pressekonferenz sieben bisher bekannte Missbrauchsfälle ein. Als Täter werden zwei Patres genannt. Die Berliner Staatsanwaltschaft übernimmt das Ermittlungsverfahren vom Landeskriminalamt. Mit der katholischen Kirche geht Mertes kurz darauf hart ins Gericht: Sie leide "an Homophobie" und habe sich beim Thema Sexualität vom realen Alltag weit entfernt, sagt er in einem Interview. Nach Angaben des Ordens war das Canisius-Kolleg bereits 1981 von Schülern auf Übergriffe aufmerksam gemacht worden. Die Ordensleitung war spätestens 1991 über Missbrauchsfälle informiert. 29. Januar: Das Erzbistum Berlin räumt ebenfalls Ermittlungen wegen Missbrauchs gegen einen früheren Pfarrer der katholischen Heilig-Kreuz-Gemeinde in Berlin-Hohenschönhausen ein. Die Vorfälle, die sich 2001 ereignet haben sollen, sind dem Erzbistum seit Sommer 2009 bekannt. 1. Februar: Der Skandal weitet sich bundesweit aus: Der ranghöchste deutsche Jesuit, Pater Stefan Dartmann, erklärt bei einem Besuch in Berlin, ihm seien bislang 25 Opfer bekannt. Außer den 20 Betroffenen am Canisius-Kolleg seien es drei an der Hamburger St.-Ansgar-Schule und zwei Personen am Jesuitengymnasium in St. Blasien im Schwarzwald. Die beiden beschuldigten Patres Peter R. und Wolfgang S. gehören dem Orden seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr an, waren danach aber in anderen katholischen Einrichtungen im In- und Ausland tätig.
2. Februar: Der Missbrauchs-Skandal erfasst nun auch das Bistum Hildesheim. Hier war einer der beiden beschuldigten Ex-Jesuitenpatres von 1982 bis 2003 als Seelsorger tätig. Zwei Fälle von sexuellen Übergriffen sind bekannt. Der damalige Bischof Josef Homeyer räumt ein, dass er "aus heutiger Sicht die Vorwürfe zu wenig ernst genommen und die Tragweite der weiteren Entwicklungen eindeutig unterschätzt" habe. Die deutschen Bischöfe kündigen an, sich auf ihrer Vollversammlung vom 22. bis 25. Februar in Freiburg mit dem Missbrauchsskandal bei den Jesuiten zu beschäftigen.
3. Februar: In Berlin wird nach Angaben des Jesuitenordens gegen einen weiteren Patres wegen Missbrauchs zwischen 1976 und 1981 ermittelt. Der Priester war als Religionslehrer auch an der katholischen Liebfrauenschule tätig. Das Erzbistum Berlin kündigt eine umfassende Aufklärung des Falls an. Kurz darauf sagt der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, dass die katholische Kirche alle Fälle sexuellen Missbrauchs durch Priester aufklären wird.
7. Februar: Bei der Missbrauchsbeauftragten des Jesuitenordens, Ursula Raue, haben sich mittlerweile 30 frühere Schüler des Berliner Canisius-Kollegs gemeldet. Dazu kommen bis zu zehn weitere Fälle in Jesuitenschulen in Bonn, Hamburg und St. Blasien. Bekannt wird auch, dass in einem 2004 erschienenen Buch ein Ex-Schüler bereits den Missbrauch durch Priester geschildert hat. Papst Benedikt XVI. verurteilt die Taten kurz darauf als Verstoß gegen die Rechte von Kindern.
12. Februar: Der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky warnt davor, die katholische Kirche und ihre Schulen unter Generalverdacht zu stellen. Die Glaubwürdigkeit der vielen engagierten Priester und Pädagogen dürfe nicht wegen der Schuld Einzelner zerstört werden. Zugleich räumt er Defizite in der Aufklärung von Missbrauchsfällen ein.
16. Februar: Der Augsburger katholische Bischof Walter Mixa führt den Missbrauch auf die zunehmende Sexualisierung des öffentlichen Lebens zurück, die "abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt". Er verweist darauf, dass der Anteil der Vorkommnisse in kirchlichen Einrichtungen in einem "verschwindend geringen" Promille-Bereich liege. Das Priester-Zölibat hat aus Mixas Sicht die Taten nicht befördert. 18. Februar: Mindestens 115 Opfer sollen bundesweit an Schulen des Jesuitenordens in Deutschland seit den 50er Jahren missbraucht worden sein. Die sexuellen Übergriffe seien nicht nur vereinzelt, sondern systematisch begangen worden, sagte die Missbrauchsbeauftragte des Jesuitenordens in einem Zwischenberichts. Derweil berichten auch die Pallottiner über Fälle sexuellen Missbrauchs in einer früheren Ordenseinrichtung: Ein Schüler des ehemaligen Konvikts Sankt Albert in Rheinbach bei Bonn habe vor zwei Jahren angegeben, er und zwei weitere Jungen seien Anfang der 60er Jahre von einem Pater missbraucht worden, sagt ein Sprecher der deutschen Pallottiner-Provinz. Der beschuldigte Pater sei in den 1960er Jahren aus dem Orden ausgeschieden. Die Schule wurde 1967 geschlossen.
20. Februar: Der "Spiegel" berichtet von Missbrauchsfällen auch in zwei ehemaligen Heimen der Salesianer Don Boscos in Augsburg und Berlin. Ebenfalls betroffen seien ein ehemaliges Kinderheim der Vinzentinerinnen im oberschwäbischen Oggelsbeuren sowie das Maristen-Internat im bayerischen Mindelheim und das frühere Franziskaner-Internat in Großkrotzenburg bei Hanau. Massive Missbrauchsvorwürfe gebe es auch gegen frühere Mitarbeiter des Franz-Sales-Hauses in Essen, einer renommierten Behinderten-Einrichtung. Laut "Frankfurter Rundschau" soll es zudem im Sankt Ludwig Kolleg der Franziskaner-Minoritäten Vorfälle gegeben haben. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger fordert die Bischöfe in dem Magazin zum Handeln auf. Sie erwarte "konkrete Festlegungen, welche Maßnahmen für eine lückenlose Aufklärung ergriffen werden".
22. Februar: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, äußert sich erstmals öffentlich zu dem Skandal: Zum Beginn der Frühjahrsvollversammlung erklärt er: "Ich entschuldige mich bei allen, die Opfer eines solchen Verbrechens geworden sind." Die katholische Kirche in Deutschland dringe auf eine umfassende Aufklärung. Zudem werde sie versuchen, den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellen Übergriffen zu verbessern. Die Leitlinien zum Umgang mit derlei Fällen sollen überprüft werden. Am selben Tag wird bekannt, dass es offenbar auch im Internat des oberbayerischen Klosters Ettal über Jahrzehnte hinweg zu sexuellen Übergriffen auf Schüler kam.
03. März: Das Bistum Limburg prüft Missbrauchsvorwürfe gegen "einige" seiner Priester. Dabei handele es sich, so der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, um einen Verdachtsfall, der bis in die 1940er Jahre zurückreiche und um einen aus den 1960er Jahren. Die Beschuldigten seien seit langem tot. Zudem aber gebe es Vorwürfe, die sich auf Taten bezögen, die "vor einigen Jahren" begangen worden seien.
05. März: Der Bericht des Sonderermittlers Thomas Pfister offenbart das Ausmaß der Missbrauchsfälle am Kloster Ettal: Demnach waren rund 100 Kinder in der Schule des Klosters jahrelang körperlichen Züchtigungen und sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Zudem wird bekannt, dass ein inzwischen suspendierten Ettaler Pater, Fotos von halbnackten Klosterschülern auf Homosexuellen-Seiten im Internet veröffentlicht haben soll. Auch beim Knabenchor Regensburger Domspatzen werden Missbrauchsfälle aus den 1960er Jahren bekannt. Die beiden mutmaßlichen Täter - zwei frühere leitende Geistliche, die 1984 gestorben sind - sollen wegen der Taten zu Haftstrafen verurteilt worden sein. Bei der Staatsanwaltschaft Hanau geht unterdessen eine anonyme Strafanzeige wegen sexuellen Missbrauchs gegen einen Hanauer Priester ein. Wenn der Papst zu seiner Zeit als Bischof nichts von den Taten wusste, ist es entweder Unfähigkeit, oder bewusste Verdeckung und damit steht die Unfehlbarkeit des Papstes und nicht zuletzt die gesamte katholische Kirche in Frage. Wie wird er mit seinem Bruder Georg Ratzinger umgehen, der Misshandlungen bzw. Prügelstrafen bereits gestanden hat ? |