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Der mehrfach vorbestrafte Christian G. (44) aus Wedel ist am 26.07.2008 vom Landgericht Itzehoe erneut zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden (AZ: 307 JS 2347/08). Die Kammer unter Vorsitz des Richters Eberhard Hülsing sah es als erwiesen an, dass G. im Zeitraum von Herbst 2007 bis Januar zwei Jungen im Alter von zehn und zwölf Jahren in mindestens zehn Fällen sexuell missbraucht hat.

 

 

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    Stiftsgymnasium Kremsmünster PDF Drucken E-Mail
    Geschrieben von Administrator   
    Freitag, 12. März 2010

    Täglich neue Missbrauchsvorwürfe

    Die Reihe der Missbrauchsvorwürfe gegen Kirchenleute reißt nicht ab. Drei Patres aus dem Stift Kremsmünster sind am Donnerstag ihrer Ämter enthoben worden, nachdem ehemalige Internatsschüler des oberösterreichischen Stiftes Missbrauchsvorwürfe erhoben hatten. Die Fälle liegen teils 30 Jahre zurück, seien aber so passiert, wie die Betroffenen sie geschildert hatten, sagte Abt Ambros Ebhart bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Österreichweit steigt indes die Zahl der Meldungen weiter - und auch die Kirchenaustritte werden mehr.

    "Es ist so passiert", zitierte Abt Ebhart aus dem Gespräch mit einem der beschuldigten Patres. Der heute 75-jährige Geistliche soll als öfters angewendete Form der Strafe und Erniedrigung den Kopf eines Schülers, der sich neben ihm hinknien musste, gerieben und fest in seinen Schoß gedrückt haben. Dabei soll es auch Ohrfeigen gegeben haben, schilderte eines der Missbrauchsopfer den "Oberösterreichischenn - Nachrichten".

    Der Geistliche hatte den Vorwurf zunächst als "Unsinn und ein Zusammenreimen nach 30 Jahren" bezeichnet, die Aussage später aber bedauert, so Ebhart. Der Mitbruder sei "sehr betroffen", dass seine Handlungen als Missbrauch erlebt worden seien.

    Die Vorwürfe gegen die drei Patres umfassen Misshandlungen gewalttätiger Natur wie auch sexuelle Übergriffe. Ein Opfer sprach davon, dass einer der Patres seine Hand in die Pyjamahose eines Schülers geschoben habe. Ein anderes Mal habe ein Geistlicher seinen Kopf zwischen die Füße eines Jugendlichen gedrückt.

    "Es braucht Klarheit"
    "Ich bedauere, dass Menschen solche Leiderfahrungen in unseren Einrichtungen gemacht haben", erklärte Ebhart, der Kremsmünster seit drei Jahren als Abt vorsteht. Das Stift habe ein Interesse daran, dass alle Fälle aufgearbeitet werden, und sei froh um jede Hilfe von staatlichen und diözesanen Stellen. Man werde die Vorwürfe in die diözesane Kommission gegen Missbrauch und Gewalt einbringen und deren Empfehlungen umsetzen.

    "Es braucht die Klarheit, aber genauso die Barmherzigkeit", betonte Ebhart. Einer der drei Kremsmünsterer Mitbrüder sei geistlicher Begleiter von Schülern gewesen, ein anderer habe Pfarrtätigkeiten verrichtet, der dritte Aufgaben im Stift versehen. An die oberösterreichische Kommission seien - Kremsmünster eingerechnet - aktuell in Summe neun Missbrauchsvorwürfe herangetragen worden, berichtete ihr Vorsitzender Josef Gruber bei der Pressekonferenz.

    Weitere Meldungen aus Wien und Vorarlberg
    In den letzten Tagen haben sich nicht nur weitere Opfer sexueller Übergriffe bei den zuständigen Ombudsstellen in den Diözesen gemeldet, auch die Telefone bei den Kirchenbeitragsstellen laufen heiß. Mitglieder machen ihrem Unmut Luft, auch die Austritte, die im vergangenen Jahr Rekordniveau erreicht hatten, werden befürchtet.

    Allein die Erzdiözese Wien vermeldete am Donnerstag zwölf mögliche neue Missbrauchsfälle, die allesamt in der vergangenen Woche bei der Ombudsstelle gemeldet wurden. Auch im Internat des Privatgymnasiums des Bregenzer Zisterzienser-Klosters Mehrerau könnte es offenbar noch weit mehr als die in den vergangenen Tagen bekanntgewordenen Missbrauchsfälle gegeben haben. Ein ehemaliger Schüler schilderte dem ORF den Missbrauch mehrerer seiner Mitschüler und ging auch auf die Rolle des damaligen Abts Kassian Lauterer ein: "Dieser hat - man muss fast sagen - uns befohlen, darüber den Eltern ja kein Wort zu sagen".

    Die meisten Diözesen betonen, dass es sich oft nicht um sexuellen Missbrauch, wohl aber um gewalttätige Übergriffe handeln würde, die den Ombudsstellen nun vermehrt gemeldet werden. Viele davon würden Jahrzehnte zurückliegen. Aufgrund des Ansturms kündigte die ebenfalls von Missbrauchsfällen erschütterte Erzdiözese Salzburg sogar an, ihre Ombudsstelle zu erweitern. Auch dort fürchtet man einen deutlichen Anstieg bei den Austritten. In Zahlen bereits spürbar wird die Missbrauchswelle in den Austritten der Diözese Feldkirch. Im Jänner 2010 kehrten dort knapp 350 Personen der Kirche den Rücken, mehr als doppelt so viele wie 2009.

    Soziologe: "Es geht um Macht"
    Der Soziologe Roland Girtler sieht die Gründe für die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche in deren hierarchischen Struktur: "Es geht um Macht, um Degradierung von Kindern", sagte er am Donnerstag in Reaktion auf die neuen Missbrauchsvorwürfe. Girtler hat in den 50er-Jahren das oberösterreichische Stiftsgymnasium Kremsmünster besucht. Er selbst sei nicht betroffen gewesen, sagte Girtler.

    "Ich weiß nichts von sexuellen Übergriffen", meinte Girtler zu seiner eigenen Zeit in Kremsmünster. Der renommierte Soziologe hat schon 2000 einen kritischen Blick auf "Die alte Klosterschule" und das strenge Regime der dortigen Benediktiner geworfen. Genau aufgelistet werden darin alle erdenklichen Arten von Strafen, die von simplen Verweisen über Hausarrest, Karzer und "Spanischen" (Hiebe mit dem Rohrstock) bis zum Hinauswurf reichen konnten. So seien etwa Burschen aus der Schule geflogen, weil sie sich miteinander ins Bett gelegt hätten, erzählte Girtler vom Stiftsgymnasium. "Da waren sie gnadenlos."

    12.03.2010(krone)

     

     

     
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